Lysann Haustein
Hamburger Straße 115
18069 Rostock
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Stimmt nachdenklich:
Neal Gabler schreibt in seinem Buch Life: the Movie. How Entertainment Conquered Reality: "Das Leben selbst wurde allmählich zu einem eigenen Medium, wie Fernsehen, Radio, Film und Printmedien, und wir alle wurden zugleich Schauspieler und Publikum in einer großen, fortwährenden Show... Kurz: Das Leben wurde zu einem Film." Und das ist in vielen Fällen buchstäblich so: Das "wahre Leben" wird mittels eines Camcorders zum Stoff für YouTube oder andere Foren der Selbstaufführung. Die Virtualisierung des Lebens schreitet voran. Wir präsentieren uns so, wie es entweder unseren Wunschbildern entspricht (in einer Art permanenter Faschingsparty, als Avatar oder als MUD-Figur), oder wir verhalten uns so, wie wir gerne gesehen werden wollen. Die Schauspielerei, das Als-ob, das Fake dominieren. Die Medienwissenschaftlerin Sherry Turkle beschreibt in ihrem Buch Life on the screen, wie das Internet es uns ermöglicht, eine neue Identität, nein: multiple Identitäten zu formen: "Heute verwischen wir mehr denn je die Grenzen zwischen Simulation und Wirklichkeit, zwischen dem, was im Computer steckt und dem, was real ist." Die Medien und ihre allgegenwärtigen Rollenklischees und Verhaltensvorbilder lassen jeden Gedanken an "Echtheit" lächerlich erscheinen. Sie bewirken eine nie gekannte Verschmelzung von Realem und Dargestelltem. Wir sind "mediatisiert" -unsere täglichen Aufführungen sind geprägt und imprägniert vom neuen Kult der (Selbst-)Darstellung. Der Medienforscher Thomas de Zengotita schreibt in seinem Buch Mediated: "Von nun an werden die Menschen sich selbst erfinden und diese Erfindungen aufführen. Sie werden nie wieder einfach nur sie selbst sein."
Wie kommt man also zu sich? Zum einen durch den sogenannten Polonius-Test (Polonius ist in Shakespeares Hamlet der Vater, der seinem Sohn Laertes eine Reihe von Lebensweisheiten mitgibt, vor allem auch diese: To thine own self be true). Der Test besteht in einem bewussten und rigorosen Abgleich von Innen und Außen: Wer bin ich wirklich? Und was gebe ich vor zu sein? Wie oft und wie weit weicht der Eindruck, den ich machen will, von meinem inneren Selbst ab? Peter Kramer sieht in zeitweisem Rückzug in die Einsamkeit eine ideale Methode, um zu sich selbst zu finden: "Wer sich darum sorgt, authentisch zu sein, sollte die Tür schließen und mit sich allein sein. Eine Zeit der Ruhe ist ein großes Plus für die Selbstfindung." Der Philosoph Andreas Luckner schlägt eine Methode der Authentifikation vor. Damit ist die Aneignung einer bestimmten Seinsweise gemeint. Sie erst ermöglicht es, unter den wählbaren Handlungsoptionen "meine" Option zu bestimmen. Die Authentifikation gibt dem Willen eine Richtung: "Man kommt zu sich, indem man sich immer wieder seine ureigensten Seinsmöglichkeiten vor Augen führt: Das ist es, was mir eigen ist! Alles andere kommt nicht infrage." ...
(Psychologie Heute, Okt. 2008, S. 26)
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